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Geschichte des Vereins

Die Vereinsgründung

Lediglich zum Zwecke der Pflege der Kameradschaft schlossen sich die sieben  Vereinsgründer  1926  unter dem Namen  “Angelsportverein Rheidt"  zusammen, denn ein eigenes oder ein Pachtgewässer stand nicht zur Verfügung. Man angelte nämlich - wie andere Angler - im Rhein, in der  Rheidter Laach, einem Altarm des Rheins, und ihren Nebengewässern, wobei man sich den Fischereierlaubnisschein bei dem damaligen Fischereipächter  Klein aus Bonn zum Preise von 9,-- Reichsmark pro Jahr beschaffte.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten traten neue Bestimmungen in Kraft, wonach Fischereierlaubnisscheine nur noch an solche  Fischer ausgegeben werden durften, die dem “Reichsverband Deutscher Sportfischer" angehörten.

In diesem Zusammenhang trat der Verein dem  “Rheinischen Fischereiverein" (heute Rheinischer Fischereiverband von 1880) bei und schloss sich wenig später als “Ortsgruppe Niederkassel” dem ebenfalls dem  Rheinischen Fischereiverein angehörenden Fischschutzverein Siegburg an. Infolgedessen traten dem Verein, der bis dahin nur aus den Gründern  bestand, weitere Angler bei und verstärkten ihn auf 30 Mitglieder.

Mit dem gewachsenen Mitgliederstand wurde auch eine förmlichere  Vereinsorganisation erforderlich.
Aus diesem Grunde wurde mit Josef Becker aus Rheidt, einem der Gründer, erstmals ein Vorsitzender gewählt. Er behielt diesen Posten bis zu seinem Tode im Jahre 1958, also 25 Jahre  lang.

Nach dem Untergang des Dritten Reiches war die Bezeichnung “Ortsgruppe" im Namen des Vereins nicht mehr zu halten. Der Verein benannte sich daher 1947 um in “Angelsportverein Amt Niederkassel". 1954  trennte sich der Verein vom Fischschutzverein Siegburg, dem er bis dahin  weiterhin als Untergruppe angehört hatte, wurde wieder selbständig und nahm erneut seinen ursprünglichen Namen Angelsportverein Rheidt an. 20  Jahre später wurde der bis dahin nicht rechtsfähige Verein 1974 in das  Vereinsregister beim Amtsgericht Siegburg eingetragen und nannte sich  seitdem Angelsportverein Rheidt e.V.. 1989/90 zog der Verein die  Konsequenz aus schwerwiegenden fischereipolitischen Kon-stellationen, die  sich in der Angelfischerei in Deutschland allgemein ergeben hatten. Die Angelvereine, die sich neben der Nutzung der Natur durch Fischfang seit jeher der Natur und Umwelt verbunden gefühlt und sich um ihren Schutz  bemüht hatten, wurden von anderen “reinen" Naturschützern angegriffen und als Störer der Natur verunglimpft. Dies gab dem Verein Anlass, schon in  seinem Namen deutlich zu machen, welche Ziele er nach seiner Satzung verfolgt. So kam es zu einer Satzungsänderung, durch die der Verein in  “Fischschutz-, Naturschutz- und Angel-Sport-Verein Rheidt e.V., Niederkassel” umbenannt wurde.

Der Verein an der Rheidter Laach und ihren Nebengewässern   

1959 konnte der Verein, der damals von Hans Klein, dem Amtsdirektor von  Niederkassel, als Vorsitzender geleitet wurde, erstmals ein  Fischereigewässer pachten. Von den Berufsfischern Josef  Rörig,  Niederkassel, und Peter Lüsdorf, Rheidt, wurde das Schonrevier zunächst für ein Jahr in Unterpacht genommen. Der Unterpachtvertrag wurde nachfolgend jeweils um ein Jahr verlängert. Vom 1.1.1965 an (seit 1963 war Peter Engels Vorsitzender) pachtete der Verein die gesamte Rheidter Laach nebst Schonrevier und Küze Höttche sowie die unmittelbar vor Rheidt  verlaufende, 2 km lange Strecke des Rheins. Damit erlebte der Verein einen großen Aufschwung. Im Verlaufe der folgenden zehn Jahre stieg die Mitgliederzahl auf 130 an.

Unter dem Vorsitz von Franz Eich, der dieses Amt von 1966 bis 1974 innehatte, unternahm der Verein grosse Anstrengungen, um durch geeignete Besatzmassnahmen den Fischbestand in seinem Pachtgewässer zu erhalten und zu verbessern. Aus diesem Grunde wurden jährlich  vorwiegend Karpfen, Schleien, aber auch Zander und Hechte eingesetzt.

Die Jahre nach dem Vertragsabschluss waren wesentlich bestimmt vom Kampf des Vereins für eine Verbesserung der Zustände an der Rheidter Laach. 1966 gelang es, ein Verbot für das Befahren der Laach mit Motorbooten zu erwirken, deren Besitzer das Gewässer bis dahin stark belastet und sogar als Rennstrecke missbraucht hatten.

Eine Selbstverständlichkeit war und ist es, dass der Verein, der seit  1974 bis heute  jährlich mehrfach Säuberungsaktionen an der Laach und ihren Nebengewässern vornimmt, bei denen jeweils große Mengen von Unrat zusammengetragen und abtransportiert werden, der vor allem bei Westwindlagen und bei  Hochwassern vom Rhein in seinen früheren Nebenarm hineingeschwemmt werden.

Jahrelang wurden  seitens des Vereins auch eingehende Untersuchungen der Wasserqualität (Sauerstoff, Ammonium, Nitrit, Nitrat, ph-Wert)  vorgenommen. Heute sind sie nicht mehr notwendig, weil der Rhein von zahlreichen staatlichen Ämtern ständig Überwacht wird.

Auch Anpflanzungen von Wasserpflanzen (Iris, Rohrkolben, Binsen u.a.)  im Uferbereich gehörten zu den Aktivitäten der Vereinsmitglieder. Die  letzte, besonders umfangreiche Aktion dieser Art fand im Jahre 1991 statt.  Damals stellte die Rheinfischereigenossenschaft dem Verein aus Mitteln der  Schadenersatzleistung der Firma Sandoz für die von ihr 1986 verursachte Umweltkatastrophe im Rhein erhebliche Geldbeträge zur Verfügung. Damit wurden im wassernahen Uferbereich der Laach 1700 Stück verschiedenster Arten von Wasserpflanzen ausgebracht. Leider war der ganzen Aktion, in deren Verlauf die Vereinsmitglieder 120 Arbeitsstunden aufgebracht hatten, kein Erfolg beschieden, weil das Auf und Ab der Wasserstandsbewegungen des Rheins es den Pflanzen nicht möglich macht, in der Laach Fuss zu fassen.

Ein Problem besonderer Bedeutung war für den Verein von Pachtbeginn an der damals sehr schlechte Zustand der Laach. Im Verlaufe der Jahrzehnte  waren durch Hochwasser des Rheins neben erheblichen Schäden an Ufern (Auswaschungen) insbesondere starke Auflandungen der Gewässersohle  eingetreten, so dass die Laach bei fallendem Rheinpegel nahezu trocken fiel und nur noch wenige Wassertümpel übrig blieben. Außerdem wurde das Gewässer durch die Einleitung von kommunalen Abwässern stark belastet.  Nicht zuletzt das besondere Engagement des Angelsportverein Rheidt e.V. war mit ursächlich dafür, dass die damalige Gemeinde Niederkassel in den  Jahren 1975 und 1976 umfangreiche Baggerarbeiten durchführen liess, wobei  die Gewässersohle 2 m tiefer gelegt wurde, so dass heute auch bei  Niedrigwasser des Rheins in der Laach noch ein Wasserstand von 1,50 m  verbleibt und die Fische ihren Lebensraum behalten. Mit der Inbetriebnahme der zentralen Kläranlage der heutigen Stadt Niederkassel war bereits 1974 eine entscheidende Verbesserung der Wasserqualität eingetreten. Demnach  stellt sich die Rheidter Laach heute als ein attraktives Fischereigewässer dar.

1992 hat der Verein an der Hochwasserschutzmauer, die an der Rheidter  Laach entlang verläuft, etwas ganz Besonderes, einen Fischlehrpfad eingerichtet. Auf zehn Tafeln stellt er 40  Fischarten vor, wie sie in den hiesigen Süwasserbereichen und im nicht  allzu weit entfernten Küstenmeer der Nordsee leben. Spezialtafeln zeigen  und beschreiben auch textlich einige Fischarten, die in den vom Verein bewirtschafteten Fischereigewässern zu Hause sind. Im Jahre 2001 ist der Fischlehrpfad, dessen Tafeln im Laufe der Zeit Schaden genommen hatten,  komplett erneuert und sodann wieder eröffnet worden. Seit dieser Zeit  steht der Fischlehrpfad den allgemein bildenden Schulen der Stadt  Niederkassel auch im Rahmen ihres Naturkunde- und Biologie- unterrichtes zur Verfügung. Nach entsprechender Vereinbarung mit dem Lehrpersonal besuchen  einzelne Schulklassen den Fischlehrpfad. Dort unterrichtet der Vereinsvorsitzende bzw. der Gewässerwart die  Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschulen sowie des städtischen  Gymnasiums in einer von ihm gestalteten Unterrichtsstunde über die  heimischen Fischarten, ihre Lebensgewohnheiten und -umstände, ihre Gefährdung und über den aquatischen Lebensraum insgesamt. Damit leistet  der Verein zugleich auch für die Allgemeinheit einen Teil seiner Jugendarbeit.

Der Verein am Stockemer See

Seit dem 1.1.1978 hat der Verein die  Fischereirechte im Stockemer See gepachtet. Bei dem Gewässer handelt es sich um einen durch die Abgrabung  von Kiesen und Sanden seit 1972 entstandenen Grundwassersee.

Im Pachtvertrag hatte es der Verein u.a. auch übernommen, bei der  Rekultivierung der bereits abgegrabenen Flächen mitzuwirken, d.h. die nach einem von der Stadt Niederkassel entwickelten Plan von der Kiesbaggerei hergestellten neuen Böschungen und Ufer aufzuforsten und zu begrünen. Im Laufe der Rekultivierungsarbeiten wurden im Rahmen des 1977 eingeführten Pflichtarbeitsdienstes des Vereins von den Mitgliedern ca. 20  ha Böschungen und Ufer begrünt und rund 15 000 vom Verpächter gelieferte  Bäume und Sträucher gepflanzt. In den Uferzonen des Gewässers wurden - vom Verein beschafft - Wasserpflanzen wie Iris, Rohrkolben, Schilf, Binsen und Seerosen eingesetzt. Von den bisher geleisteten rund 20 000  Arbeitsstunden, die bei Zugrundelegung von nur 5,00 € / Stunde einen Arbeitswert von
100.000 € bedeuten, entfällt die Hälfte allein auf die  besagten Rekultivierungsarbeiten.

Im Hinblick auf die besonders hervorragende Wasserqualität (Gütestufe  1,2) des ständig vom Grundwasser durchströmten Sees und auf der Grundlage von eingeholten Sachverständigengutachten hat der Verein den See im Wege seiner Fischbesatzmassnahmen von Anfang an mit erheblichen Mitteln, die ausschliesslich aus Mitgliederbeiträgen aufgebracht worden sind, nur  mit edleren Fischarten, nämlich Forellen, Zander, Aale, Karpfen und  Schleien besetzt. Natürlicherweise haben sich Barsche, Rotaugen und andere  Weissfische eingefunden. Neben den vorgenannten Nutzfischarten hat der Verein aber auch immer wieder anglerisch nicht nutzbare Kleinfische wie Schmerlen, Moderlieschen, Bitterlinge und Teichmuscheln eingesetzt, um diese in ihrer Existenz bedrohten Fischarten zu stützen.

15 Jahre lang waren die Besatzmassnahmen des Vereins bestimmt von einer Einrichtung, die - jedenfalls im Lande NRW - noch kein anderer Verein betrieben hat. Es handelt sich dabei um eine im Jahre 1980 mit behördlicher Genehmigung errichtete Fischzuchtanlage mit Netzgehegen,  die mitten im See verankert wurde. In die aus 4 Gehegen bestehende Anlage wurden Forellensetzlinge eingesetzt und über Selbst-bedienerautomaten mit  Trockenfutter gefüttert. Dank der günstigen Verhältnisse im See konnten die Forellen regelmässig in etwa 100 Tagen von 25 Gramm Ausgangsgewicht auf Durchschnittsgewichte von 300 Gramm gebracht werden. Dann wurden die Fische in den See ausgesetzt. Im Jahre 1994 musste die Anlage aufgegeben werden, weil eine weitere Verlängerung der Betriebsgenehmigung nicht mehr  zu erreichen war.

Anglerisch entwickelte sich der Stockemer See zum Zentralgewässer des  Vereins. Massgeblich dafür sind die besondere  Qualität des Seewassers und  der reichhaltige Besatz des Gewässers mit wohlschmeckenden Fischen. Der  Fang von Karpfen zwischen 10 - 20 Pfund Gewicht (Rekord 35 Pfund) ist  keine Seltenheit. Das Gleiche gilt für Aale von bis zu 3 Pfund (Rekord 5  Pfund) und Zander bis zu 8 Pfund (Rekord 21 Pfund) und Hechten (Rekord 30 Pfund).

Mit der Pacht der Fischereirechte im Stockemer See nahm der Verein den gröten Aufschwung seiner Geschichte. Die Zahl der Mitglieder stieg von 140 auf die heutige Zahl von rund 400, wobei dem Verein zeitweise sogar 440 Mitglieder angehört haben.

Dank der Anstrengungen des Vereins wurden der See und das ihn umgebende  Gelände alsbald auch von der allgemeinen Tierwelt angenommen und besiedelt. Enten, Haubentaucher, Möwen, Graureiher, viele weitere  Vogelarten, leider aber auch Kormorane, haben sich angesiedelt und einen  neuen Lebensraum gefunden. Im Frühjahr laichen unzählige Kröten und andere  Amphibien in Tümpeln, die der Verein am Seeufer angelegt hat. Hasen, Kaninchen, Igel, Füchse und andere Landtiere sind eine Selbstverständlichkeit.

Diese, im wesentlichen den Aktivitäten des Vereins zuzuschreibende grossartige Entwicklung des Baggerloches zu einer naturnahen Landschaft hat  dazu geführt, dass das Gebiet Stockemer See durch den von der  Kreisverwaltung Siegburg erlassenen Landschaftsplan Niederkassel schon im Jahre 1992 während der noch laufenden Auskiesung unter Naturschutz gestellt worden ist. Im Landschaftsplan ist allerdings die fischereiliche  Nutzung des Gewässers festgeschrieben. Alle anderen Freizeitaktivitäten  wie z.B. schwimmen, segeln, surfen, rudern, tauchen usw. sind ausdrücklich untersagt.

Abgesehen von den behördlichen Untersuchungen kontrolliert der Verein  die Güte des Gewässers auch selbst durch seinen entsprechend ausgebildeten Gewässerwart und seine Fischereiaufseher mit wissenschaftlicher  Genauigkeit.

Seit 1999 ist der Baggerbetrieb endgültig eingestellt. Das gesamte Gelände des Sees steht seit dem Jahre 1994 im Eigentum der Stadt Niederkassel, die auch Verpächter der Fischereirechte ist.

2001 konnte der Verein ein ganz herausragendes Ereignis feiern, die  Fertigstellung und Einweihung seines Vereinshauses am Stockemer See. Bei dem Haus handelt es sich um das ehemalige Betriebsgebäude der Kiesbaggerei. Nach Beendigung der Nutzung durch die Kiesbaggerei 1995 hat der Verein das völlig heruntergekommene Haus in 6-jähriger Eigenarbeit seiner Mitglieder, in deren Verlauf 7000 Arbeitsstunden geleistet worden sind, umgebaut und für die Vereinszwecke hergerichtet.

Chronik

Anlässlich seines 75-jährigen Bestehens im Jahre 2001 hat der Verein ein von seinem Vorsitzenden Hermann Drossé verfasstes Festbuch mit dem  Titel "75 Jahre Fischschutz-, Naturschutz- und Angel-Sport-Verein Rheidt e.V. Niederkassel, Chronik, Würdigung und mehr" herausgebracht. In dem außergewöhnlichen, 340 Seiten umfassenden Werk werden nicht nur die  Geschichte des Vereins im einzelnen dargestellt, sondern alle Aspekte, die ihn und seine Belange und Interessen betreffen.

Wenn Sie mehr über den  ASV Rheidt e.V. erfahren möchten, dann können Sie Festbuch, das zum 75-jährigen  Jubiläum in 2001 erschienen ist, kostenlos über den ASV Rheidt e.V. beziehen, solange der Vorrat an Exemplaren reicht.

 
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